
Als ich 2019 begonnen habe, für meine Kinder zu investieren, hatte ich ein ganz konkretes Bedürfnis: CHF 100 pro Monat in einen ETF einzahlen, nicht mehr. Bei einem durchschnittlichen Schweizer Broker, der mindestens CHF 10 bis 15 pro Transaktion verlangt, gingen 10-15% jeder Einzahlung für Gebühren drauf. Absurd.
Ich nutzte bereits Interactive Brokers für meine persönlichen Anlagen, wollte aber den besten europäischen Broker testen, um darüber im Blog zu berichten. DEGIRO hat sich aufgedrängt, und ich habe es fünf Jahre lang genutzt.
Das Ergebnis: fast keine Gebühren, eine einfache Oberfläche und null böse Überraschungen. Hier ist meine komplette Analyse basierend auf diesen fünf Jahren Nutzung.
Zur Erinnerung, hier die Kriterien, die ich zur Bewertung eines Online-Brokers verwende:
- Zugänglichkeit als Schweizer Einwohner
- Stabil und dauerhaft über die Zeit
- Schutz meiner Titel
- Zugang zu internationalen Märkten
- Verfügbarkeit der Produkte
- Verfügbare Tools
- Gebühren (das Beste zum Schluss!)
Schauen wir, wie DEGIRO bei jedem dieser Punkte abschneidet.
1. Ist DEGIRO für Schweizer Einwohner zugänglich?
Ja. DEGIRO akzeptiert Schweizer Einwohner und bietet ein Konto mit einer CHF-IBAN. Du kannst dein Konto per normaler Banküberweisung von deiner Schweizer Bank aus einzahlen, genau wie bei jedem anderen Empfänger.
Die Oberfläche ist in vier Sprachen für den Schweizer Markt verfügbar: Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch. Kein Bedarf also, auf Niederländisch zu navigieren ;)
Auf der Support-Seite bietet DEGIRO:
- Eine dedizierte E-Mail: clients@degiro.ch (24/7 erreichbar)
- Eine Schweizer Telefonnummer: +41 435 086 329 (Montag bis Freitag)
Für einen Online-Broker mit Sitz im Ausland ist das ein grosses Plus, weil es beruhigend ist, wenn du gerade erst mit dem Investieren an der Börse anfängst. Persönlich musste ich sie in fünf Jahren nur einmal kontaktieren (um zu fragen, ob die automatische Sparplanfunktion bald kommt… das war 2021 ;)). Und die Antwort kam innert weniger Tage.
2. Ist DEGIRO sicher und stabil über die Zeit?
DEGIRO wurde 2013 in Amsterdam von ehemaligen Binckbank-Mitarbeitern gegründet. 2020 haben sie mit flatex fusioniert und die flatexDEGIRO AG gebildet, eine an der Frankfurter Börse kotierte Gruppe. Diese Börsenkotierung ist wichtig: Sie bedeutet, dass die Konten öffentlich geprüft werden und jeder auf die Finanzberichte der Gruppe zugreifen kann.
Die Mitarbeiter von DEGIRO (aka flatexDEGIRO AG) können also nicht einfach machen, was sie wollen, ohne dass es schnell sichtbar wird.
flatexDEGIRO verwaltet über 3 Millionen Konten in Europa und wird von zwei Regulierungsbehörden beaufsichtigt: der BaFin (der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) und der DNB (der niederländischen Zentralbank). Für einen europäischen Broker ist das regulatorisch solide.
Jetzt sprechen wir trotzdem einen Punkt an: Im Dezember 2022 hat die BaFin flatexDEGIRO eine Busse von 1'050'000€ auferlegt wegen Mängeln bei der Compliance und internen Kontrolle. Die Gruppe musste 50 Millionen Euro zusätzliches Kapital einschiessen, um ihr Eigenkapital zu stärken.
Und sie haben eine weitere Busse von 560'000 Euro im Dezember 2025 erhalten wegen irreführender Werbung über “kostenlose” Investitionen (aus dem Jahr 2022). Ich habe es mitbekommen, weil sie mir als Blogger gegenüber schnell und streng darauf geachtet haben, dass wir von “extrem tiefen Gebühren” und nicht von Null-Gebühren sprechen.
Seither wurden die Korrekturmassnahmen umgesetzt, und die BaFin hat keine neuen Probleme gemeldet.
Hat mich das beunruhigt? Ehrlich gesagt, ja, ein wenig. Ich habe sogar einen Blogpost darüber geschrieben: DEGIRO BaFin-Untersuchung (Ende 2023): es geht in die richtige Richtung.
Aber ich habe mir die Fakten angeschaut: Die Busse betraf interne Prozesse, nicht Verluste von Kundengeldern. Die Gruppe hat die Probleme behoben und ihre Kapitalisierung gestärkt. Das ist die Art von Situation, in der ein Regulator seine Arbeit macht, und es ist eigentlich beruhigend zu sehen, dass das System funktioniert. Also sehe ich es als positiv.
Und wenn meine Kinder nicht bald alt genug wären, ihr Geld selbst zu verwalten (das sollen sie bei IBKR lernen), hätte ich immer noch ein DEGIRO-Konto für sie.
3. Ist mein Geld bei DEGIRO sicher?
Deine Wertpapiere (ETFs, Aktien, Obligationen) werden in einer von DEGIRO getrennten juristischen Einheit gehalten. Im Falle eines Konkurses des Brokers bleiben diese Titel dein Eigentum. Es ist das gleiche Segregationsprinzip, das du bei den meisten regulierten Brokern findest.
Für das Bargeld auf deinem Konto bist du durch die deutsche Einlagensicherung bis zu 100'000 Euro abgesichert. Und für deine Wertpapiere deckt dich das deutsche Anlegerentschädigungsgesetz bis zu 90% des Wertes deiner Titel ab, mit einer Obergrenze von 20'000 Euro (zum Beispiel im Fall von Betrug durch den Broker).
Im Vergleich zum SIPC-Schutz von Interactive Brokers (USD 500'000) ist das deutlich weniger grosszügig. Das solltest du im Hinterkopf behalten, wenn du planst, ein grosses Portfolio aufzubauen. Aber für die meisten Anleger, die gerade anfangen oder ein paar Hundert Franken pro Monat investieren, ist der Schutz mehr als ausreichend.
Ein letzter Punkt: DEGIRO hatte standardmässig ein Wertpapierleihprogramm (“Securities Lending”) aktiviert, bei dem deine Titel an andere Marktteilnehmer verliehen werden konnten. Seit Oktober 2025 ist dieses Programm optional. Wenn du nicht willst, dass deine Titel verliehen werden, kannst du die Option einfach in deinen Kontoeinstellungen deaktivieren. Ich erwähne das, weil es mich am Anfang gestresst hat, also ist es cool, dass es nicht mehr obligatorisch ist, wenn du mit dem Investieren anfängst (auch wenn es ein gut reguliertes System ist).
4. Kann ich auf internationalen Märkten handeln?
DEGIRO bietet Zugang zu über 50 Börsenplätzen in 30 Ländern. Das reicht locker für einen Mustachian-Anleger, der ein oder zwei ETFs kauft, aber auch für alle, die mit Value-Aktien diversifizieren wollen (lies: Wie man mit Value Investing startet (10%+ erwartete Rendite)).
Hier ein Überblick über die verfügbaren Märkte:
Europa: Niederlande, Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Belgien, Irland, Schweiz, Österreich, Spanien, Portugal, Italien, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden, Griechenland, Polen, Tschechische Republik, Türkei, Ungarn
Nordamerika: USA (NYSE, NASDAQ, AMEX, ARCA), Kanada (TSX, TSXV)
Asien und Ozeanien: Japan (TSE), Hongkong (HKEX), Singapur (SGX), Australien (ASX)
Kleines Detail: DEGIRO berechnet 2.50€ pro Jahr und pro ausländischer Börse, an der du dich anbindest. Wenn du nur an einer einzigen Börse kaufst (zum Beispiel Euronext Amsterdam für den VWRL-ETF), kostet dich das 2.50€ pro Jahr insgesamt. Nicht viel, aber gut zu wissen.
5. Verfügbarkeit der Produkte
An diesem Punkt musst du eine wichtige Einschränkung kennen: DEGIRO bietet keinen Zugang zu amerikanischen ETFs.
Warum? Wegen der europäischen PRIIPs-Verordnung, die ein “Basisinformationsblatt” verlangt, das den europäischen Standards entspricht (KID auf Englisch). Vanguard liefert dieses Dokument nicht für seine US-ETFs (wie den VT). Und anders als Interactive Brokers, das die Schweiz als Sonderfall behandelt, wendet DEGIRO die europäische PRIIPs-Regel auf alle Kunden an, Schweizer eingeschlossen…
Konkret bedeutet das, dass du den ETF VT (Vanguard Total World Stock) nicht direkt kaufen kannst. Stattdessen kaufst du sein europäisches Pendant: den VWRL (oder VGWL, der exakt der gleiche Fonds ist, aber in EUR an der deutschen Börse Xetra kotiert). Ich erkläre den Unterschied zwischen den beiden und wie du den richtigen auswählst im entsprechenden Kapitel: Wie kaufe ich den VWRL-ETF bei DEGIRO in 2026.
Abgesehen von dieser Einschränkung bietet DEGIRO eine breite Palette an Produkten: Aktien, ETFs, Obligationen, Optionen, Futures und Warrants. Für einen Mustachian-Anleger, der sich auf ein oder zwei weltweite ETFs konzentriert, ist das mehr als genug.
Weiterer Pluspunkt: DEGIRO bietet eine “Core Selection” beliebter ETFs (darunter der VGWL), bei denen die Transaktionsgebühren nur 1€ pro Auftrag betragen.
6. Welche Tools bietet DEGIRO?
Wenn du von Swissquote oder Interactive Brokers mit ihren Chart-lastigen Plattformen kommst, wird dir DEGIRO… minimalistisch vorkommen. Und das ist eigentlich eine der Stärken von DEGIRO für einen Mustachian-Anleger.
DEGIRO bietet zwei Oberflächen für den Zugang zu seinen Plattformen:
- Web-Plattform: klar, aufgeräumt, mit allem, was du brauchst, um ein Wertpapier zu suchen, einen Auftrag zu erteilen und dein Portfolio zu verfolgen. Kein Schnickschnack, keine Day-Trader-Charts. Du findest deinen ETF, klickst, kaufst. Gemacht für Anleger, die es einfach wollen.
- Mobile App (iOS und Android): gleiche Logik wie die Webversion, angepasst fürs Smartphone. Praktisch, um dein Portfolio unterwegs zu checken oder schnell einen Kauf zu tätigen.
Was mir gefällt: die Einfachheit. Als ich jeden Monat einen ETF für die Kinder gekauft habe, dauerte die ganze Operation weniger als 3 Minuten, vom Login bis zur Auftragsbestätigung.
Was fehlt: keine fortgeschrittenen Analysetools (wie PortfolioAnalyst bei Interactive Brokers), und die Steuerberichte sind einfach gehalten (wie bei anderen ausländischen Brokern hast du keinen elektronischen Steuerauszug für deine Schweizer Steuererklärung). Aber ehrlich gesagt, für einen Mustachian-Anleger mit langfristiger Perspektive reicht das vollkommen.
7. Was kostet DEGIRO?
Hier brilliert DEGIRO wirklich. Wie ich in meinem Vergleich der besten Broker für Schweizer Anleger im Detail erkläre, sind die Gebühren oft das, was langfristig den Unterschied macht.
Hier die Details:
Depotgebühren
CHF 0. Keine Depotgebühren, keine Verwaltungsgebühren, keine Inaktivitätsgebühren. Dein Konto kann ohne Fixkosten offen bleiben, auch wenn du monatelang keine Transaktion machst.
Transaktionsgebühren
Das ist der grosse Vorteil von DEGIRO. Für ETFs aus der Core Selection (darunter der VGWL) zahlst du nur 1€ Bearbeitungsgebühr pro Transaktion. Kein Prozentsatz, kein verstecktes Minimum. Ob du 100 Euro oder 10'000 Euro investierst, es kostet 1 Euro.
Für andere ETFs und Aktien ausserhalb der Core Selection sind es 3€ pro Transaktion. Immer noch sehr wettbewerbsfähig im Vergleich zu anderen Brokern.
Wechselkursgebühren
DEGIRO wendet einen automatischen Wechselkurs (“AutoFX”) mit einer Kommission von 0.25% auf den umgerechneten Betrag an. Du kannst keine manuelle Umrechnung machen wie bei Interactive Brokers. Es ist etwas teurer als die 0.002% von IB, aber immer noch weit unter dem, was traditionelle Schweizer Banken berechnen.
Konnektivitätsgebühren
2.50€ pro Jahr und pro genutzter ausländischer Börse. Wenn du nur VWRL auf Euronext Amsterdam oder VGWL auf der deutschen Börse Xetra kaufst, sind es 2.50€ pro Jahr pro Börse.
Kontoeröffnungsgebühren
CHF 0.
Kontoschliessungsgebühren
CHF 0.
Eingehende Überweisungsgebühren
CHF 0.
Ausgehende Überweisungsgebühren
CHF 0.
Schweizer Stempelsteuer
CHF 0. Da DEGIRO ein Broker mit Sitz ausserhalb der Schweiz ist, zahlst du keine Schweizer Stempelsteuer von 0.15% pro Transaktion auf ausländische Wertpapiere. Bei einem Portfolio, das über die Jahre wächst, ist das eine nicht zu vernachlässigende Einsparung.
Gebührenübersicht für einen Mustachian-Anleger
Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Du investierst CHF 500 pro Monat in den VGWL-ETF über DEGIRO.
- Transaktionsgebühren: 1€ (Core Selection)
- Konnektivitätsgebühren: 2.50€ / 12 = ~0.21€ pro Monat
- Wechselkursgebühren: 0.25% von CHF 500 = ~CHF 1.25
- Depotgebühren: CHF 0
- Stempelsteuer: CHF 0
Monatliche Gesamtkosten: ungefähr CHF 2.50. Das sind 0.5% deiner Investition. Und dieser Prozentsatz sinkt, je höher deine Einzahlungen werden.
Fazit
DEGIRO ist der beste Broker, wenn du einen mit Sitz auf europäischem Boden willst und deine Gebühren so weit wie möglich optimieren möchtest (inklusive dem Trick, keine Schweizer Stempelsteuer zu zahlen).
Der einzige grosse Nachteil ist, dass du keinen Zugang zu amerikanischen ETFs hast, darunter der sehr diversifizierte VT-ETF (der VGWL/VWRL kommt am nächsten und hält nur etwa die Hälfte der Unternehmen).
Auch der Titelschutz ist tiefer als in den USA. Aber für einen Schweizer Anleger, der einen europäischen Broker mit Tiefstgebühren sucht, ist es die beste Option, die ich kenne.
Ich habe ihn fünf Jahre lang für die Investitionen meiner Kinder genutzt, mit null bösen Überraschungen. Wenn du in einer Situation bist, in der du monatlich in einen weltweiten ETF investieren willst, ohne dich bei den Gebühren arm zu zahlen, und du mit einem Broker mit Sitz in Europa statt in der Schweiz oder den USA einverstanden bist, dann erledigt DEGIRO den Job.
Im nächsten Kapitel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du dein DEGIRO-Konto eröffnest, mit Screenshots.




