Schweizer Steuern


Kapitel 4 — Teil 2: Quellensteuern auf erhaltene Dividenden, konkrete Beispiele

Im vorigen Kapitel haben wir gesehen, wie Quellensteuern fĂŒr einen Schweizer Investor in der Theorie funktionieren.

Machen wir jetzt weiter mit der Praxis :)

Wir starten mit dem einfachen Fall der Schweizer Quellensteuer auf eine Schweizer Aktiendividende.

Erinnerung bzw. fĂŒr neue Leser: Ein Wertpapier bedeutet einfach etwas, das du in deinem Namen besitzt, z. B. eine Aktie, einen ETF, eine Anleihe oder irgendein anderes finanzielles Wertpapier.

Szenario 1: Schweizer/in kauft Schweizer Aktie

Das schweizerische Quellensteuergesetz fĂŒr Schweizer Wertpapiere hat folgende Regeln:

  1. Du hast ein Brokerage-Konto mit Geld drauf
  2. Mit diesem Geld kaufst du Schweizer Wertpapiere (z. B. von Roche)
  3. WÀhrend des Jahres erhÀltst du Dividenden von Roche
  4. Diese Dividenden unterliegen einer Schweizer Quellensteuer von 35%, noch bevor du das Geld ĂŒberhaupt auf deinem Brokerage-Konto siehst

Dann, da du nicht der Typ bist, der 35% seiner passiven Dividenden davonflattern lĂ€sst, deklarierst du deine Schweizer Steuern korrekt (siehe mein Leitfaden zum AusfĂŒllen deiner Schweizer SteuererklĂ€rung).

Und so entwickelt sich das Szenario:

  1. Im 2020 erhÀltst du von Roche Dividenden in Höhe von CHF 500
  2. Auf deinem Brokerage-Konto siehst du nur CHF 325 davon (denn CHF 500 - (500 x 0,35) = CHF 325), da der Staat 35% Steuer darauf einbehalten hat
  3. Wenn du dann im MĂ€rz 2021 deine Steuerrechnung von zum Beispiel CHF 10'000 erhĂ€ltst, werden dir diese CHF 175 (= CHF 500 - CHF 325) zu diesem Zeitpunkt zurĂŒckgegeben bzw. verrechnet. Das bedeutet, dass du anstelle von CHF 10'000 nur CHF 9'825 Steuern zahlst

Diese Abbildung der Eidgenössische Steuerverwaltung fasst die Situation gut zusammen (und alle Details findest du auf dieser Seite ihrer Website, falls du dich damit beschÀftigen willst):

Wie die Schweizer Quellensteuer auf Schweizer Wertpapiere funktioniert (Quelle: Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV))

Und falls du die Schweizer Steuerbehörden betrĂŒgst, indem du deine Wertpapiere nicht angibst, passiert das:

Wie die Schweizer Quellensteuer auf Schweizer Wertpapiere funktioniert, wenn du die Steuerbehörden betrĂŒgst (Original-Bildquelle: Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV))

Der Fall der Schweizer Quellensteuer auf die Dividende einer Schweizer Aktie ist daher ganz simpel: 35% Quellensteuer auf Schweizer Dividenden, die du in deiner Schweizer SteuererklĂ€rung zurĂŒckfordern kannst.

Zusammenfassung der schweizerischen Quellensteuer fĂŒr L1TW und L2TW:

  • L1TW: nicht anwendbar (da du die Aktie direkt hĂ€ltst und nicht ĂŒber einen ETF)
  • L2TW: 35%, erstattungsfĂ€hig in deiner Schweizer SteuererklĂ€rung

Seh'n wir mal, wie es aussieht, wenn du stolzer Besitzer eines Schweizer ETF bist.

Szenario 2: Schweizer/in kauft Schweizer ETF wie z. B. den "UBS ETF (CH) SMIM (CHF) A-dis"

Dieser UBS ETF bildet den SMIM-Index ab, der die 30 grössten mittelstÀndischen Unternehmen am Schweizer Aktienmarkt (einschliesslich Lindt, Schindler, Logitech, Sonova usw.) enthÀlt, die nicht im SMI-Index enthalten sind (der seinerseits die Unternehmen Nestlé und Roche enthÀlt).

In Bezug auf Dividenden geschieht Folgendes:

  1. Du kaufst einen ETF "UBS ETF (CH) SMIM (CHF) A-dis"
  2. Jedes Unternehmen in diesem ETF zahlt seine Dividenden an den Distribuenten, den Inverkehrbringer, des Fonds (in diesem Fall ist das UBS)
  3. Dann, einmal im Jahr (bei diesem ETF im September), zahlt dir der UBS ETF eine Dividende

Zusammenfassung der schweizerischen Quellensteuer des ETF fĂŒr L1TW und L2TW:

  • L1TW: Die Schweizer Steuerbehörden werden 35% aller von den Unternehmen dieses ETF an UBS gezahlten Dividenden abziehen. Dann wird UBS diese 35% ĂŒber seine Schweizer SteuererklĂ€rung zurĂŒckerhalten (Anmerkung MP: Ich suche nach einer Quelle, die diese Hypothese bestĂ€tigt – ich bin mir nicht 100% sicher, da möglicherweise eine Quellensteuerbefreiung besteht, wenn eine Schweizer Aktie eine Dividende an einen Schweizer ETF ausschĂŒttet; falls du entsprechende Informationen zur Hand hast, nehme ich sie gerne!)*
  • L2TW: Wenn UBS (die unseren ETF ausgibt) dir deine Dividenden zahlt, erheben die Schweizer Steuerbehörden 35% Quellensteuer, die du in deiner Schweizer SteuererklĂ€rung zurĂŒckfordern kannst (wie wir im obigen Abschnitt fĂŒr Roche gesehen haben)

Zeit, sich zu konzentrieren.

Wir befassen uns jetzt mit der Frage, die mir jeder stellt:

Aber MP, wie funktioniert das mit den Quellensteuern, wenn ich US-amerikanische/irische/deutsche/japanische/etc. Wertpapiere besitze? Ist es der gleiche Mechanismus, der mit einem Prozentsatz von 35% zuschlÀgt?

Die Antwort: Nö!

Der Satz von 35% entspricht dem schweizerischen Quellensteuergesetz. Was fĂŒr deine Wertpapiere aus anderen LĂ€ndern steht im nĂ€chsten Abschnitt.

Besonderheiten zur Quellensteuer auf auslÀndische Wertpapiere

Solange es um Schweizer Wertpapiere geht, ist der Prozess einfach.

Sobald wir aber ĂŒber auslĂ€ndische Wertpapiere sprechen (wie meinen Favoriten ETF VT), wird es etwas komplexer. Auch hier ist das Rezept komplex, aber nicht kompliziert, sobald du weisst, was du zu tun hast. Das sehen wir uns im Folgenden mit vielen konkreten Beispielen an.

Die Grundregel, die es zu verstehen gilt, lautet: Jedes Land hat sein eigenes Quellensteuergesetz.

Also erhebt jedes Land eine Quellensteuer auf deine Dividenden bevor sie auf deinem Konto landen.

Und die KomplexitĂ€t dieses Abschnitts liegt in der Tatsache, dass du dich ĂŒber die Steuerregeln jedes Landes informieren musst, in dem du investierst, damit du dir diese Quellensteuer zurĂŒckholen kannst und keinen Teil deiner Rendite verlierst.

Dann, falls du wie ich bist, also ein Investor, der sich auf Einfachheit und Effizienz konzentriert, musst du nur noch die Steuervorschriften von maximal zwei oder drei LĂ€ndern kontrollieren [1].

In der Steuersoftware VaudTax deklarierst du Schweizer Aktien und ETFs in Abschnitt 1 und auslÀndische Aktien und ETFs in einem separaten Abschnitt 2

Die Schweizer Website ĂŒber die Quellensteuer auf auslĂ€ndische EinkĂŒnfte, die du kennen musst, ist diese: ESTV — AuslĂ€ndische Quellensteuer nach LĂ€ndern. Hier findest du alle Vereinbarungen zwischen der Schweiz und jedem Land.

Aber wie du sehen kannst, ist da viel Jargon zu lesen. Um also direkt auf den Punkt zu kommen, sind hier sind die beiden anderen Websites, die ich empfehle, um die Höhe der Quellensteuer fĂŒr jedes Land herauszufinden:

FĂŒr das vollstĂ€ndige VerstĂ€ndnis dieses Mechanismus der Abkommen zitiere ich hier den erlĂ€uternden Text des Freihandelsabkommens:

Doppelbesteuerungsabkommen sollen eine Doppelbesteuerung des Einkommens oder Vermögens von Einzelpersonen oder juristischen Personen vermeiden, die die Kriterien fĂŒr auslĂ€ndische Verbindungen erfĂŒllen. Diese Abkommen sind daher ein wichtiges Element bei der Förderung wirtschaftlicher AktivitĂ€ten auf internationaler Ebene. Die Schweiz hat bisher mehr als 100 davon abgeschlossen und ist bestrebt, ihr Netzwerk weiter auszubauen.

Ohne Jargon: Du, der Schweizer Investor, willst keine Steuern auf deine Dividenden in der Schweiz und auch im Ausland zahlen. Und diese Abkommen haben den Zweck, diese Doppelbesteuerung zu vermeiden.

Bei den Schweizer Aktien/ETF, die dir als Schweizer Investor Dividenden zahlen, ist das ganz einfach. Weil es automatisch ĂŒber die Steuersoftware deines Kantons deklariert und erledigt wird.

Um jedoch die von einem anderen Land als der Schweiz erhobene Quellensteuer geltend machen zu können, musst du ein bestimmtes Formular verwenden.

[1] Falls du an Value Investing, interessiert bist, musst du musst mehr Hausaufgaben machen. Aber wenn du auf diesem Kenntnisniveau bezĂŒglich Geldanlagen bist, sollte das fĂŒr dich kein Problem sein ;)

DA-1-Formular zur RĂŒckerstattung von Quellensteuern auf auslĂ€ndische Dividenden, das Sesam-öffne-dich des Schweizer Investors

Dieses DA-1-Formular ist der SchlĂŒssel zur RĂŒckerstattung deiner Quellensteuer auf auslĂ€ndische EinkĂŒnfte.

Stell dir vor, du hast CHF 500'000 in einen französischen ETF investiert und dieser ETF zahlt dir jedes Jahr CHF 20'000 (alias 4%) an Dividenden.

Wir sind uns einig, dass du nicht willst, dass die französische Regierung 15% (den Betrag der französischen Quellensteuer gemÀss dem französisch-schweizerischen Vertrag), d. h. CHF 3'000, einnimmt und du sie nie wieder siehst? Wir sind uns doch einig?

Nun, wenn du deine Schweizer SteuererklĂ€rung ausfĂŒllst, musst du nur, anstatt deine Dividenden in dem Abschnitt zu erklĂ€ren, den wir oben fĂŒr Schweizer Wertpapiere gesehen haben, diese französischen Wertpapiere in dem Abschnitt mit dem Namen "AuslĂ€ndische Aktien gemĂ€ss den ergĂ€nzenden Formularen R-US 164 und DA-1" deklarieren (das ist auf jeden Fall in der VaudTax-Software so, muss aber fĂŒr die anderen Kantone Ă€hnlich sein).

Dank HinzufĂŒgung dieser Zeile von CHF 15'000 französischer Dividenden werden dir deine CHF 3'000 französischen Dividenden automatisch zurĂŒckerstattet. Denn ja, heutzutage sorgt die Schweizer SteuererklĂ€rungssoftware (in meinem Fall VaudTax) dafĂŒr, dass dein DA-1-Formular automatisch ausgefĂŒllt und verarbeitet wird, und du erhĂ€ltst sofort eine "Gutschrift" fĂŒr deine Schweizer SteuererklĂ€rung.

Du hast wirklich GlĂŒck, wenn du deine Reise als Investor heute beginnst, denn vorher waren viele Papierformulare auszufĂŒllen. Es war viel mĂŒhseliger. Aber jetzt, mit zwei oder drei Klicks, ist es geschafft und du bekommst dein Geld zurĂŒck :)

Nachdem das geklÀrt ist, machen wir weiter mit den verschiedenen Szenarien, denen ein Schweizer Mustachian -Investor am hÀufigsten begegnet.

Szenario 3: Schweizer/in kauft den in Irland beheimateten VWRL ETF (Vanguard FTSE All-World UCITS ETF)

Ich setze meinen Favoriten, den VT ETF absichtlich nicht an die erste Stelle, weil die USA ein Sonderfall sind.

Dieser VWRL ETF ist Lesern, die schon lĂ€nger dabei sind, bekannt. Wir nutzen ihn, um ĂŒber den Online-Broker DEGIRO Geld fĂŒr die MP-Kinder zu investieren.

Nehmen wir an, du nutzt diesen ETF und kaufst davon CHF 500'000. Zur Erinnerung: Dein Domizil (d.h. wo du deine Steuern zahlst) ist natĂŒrlich die Schweiz.

Dieser irische VWRL ETF ist ein "globaler" ETF, was bedeutet, dass du mit dem Kauf eines Anteils in rund 3'945 Unternehmen auf der ganzen Welt investierst.

In Bezug auf Quellensteuern ist es fĂŒr uns aber noch wichtiger, zu wissen, dass sich der Sitz dieses ETF in Irland befindet, wie du auf der Website justetf.com sehen kannst:

Der ETF VWRL hat seinen Domizil in Irland

Wenn es Zeit wird, deine SteuererklÀrung in der Schweiz einzureichen, musst du zuerst herausfinden, wie viel Prozent der Quellensteuer die irische Regierung dir berechnet.

Weder eins noch zwei, du gehst auf die oben genannte Website: Zusammenfassung der Quellensteuer nach jedem Land der Welt (PWC-Website). Und bekommst einen kleinen Schock, wenn du siehst, dass du als Nicht-BĂŒrger 25% zahlen musst:

StandardmÀssig betrÀgt die irische Quellensteuer auf Dividenden 25%

Da wir wissen, dass dieser VWRL ETF etwa 1.5% in Dividenden ausschĂŒttet, erhalten wir folgende Zahlen:

  • Investierter Betrag: CHF 500'000
  • Erhaltene Dividenden ĂŒber ein Jahr: CHF 7'500 (= CHF 500'000 x 0.015)
  • Betrag der irischen Quellensteuer: CHF 1'875 (= CHF 7'500 x 0.25)

Aber zum GlĂŒck erinnerst du dich an den fantastischen Leitfaden eines gewissen MP, der dich auf das Doppelbesteuerungsabkommen hingewiesen hat. Du gehst also zum zweiten PWC-Link: Zusammenfassung des Schweizer Quellensteuersatzes fĂŒr Schweizer BĂŒrger fĂŒr jedes Land. Und dort, so ein GlĂŒck, siehst du, dass tatsĂ€chlich nur 15% deiner 7.5K CHF (oder CHF 1'125) einbehalten werden, bevor du deine irischen Dividenden ĂŒberhaupt erst erhĂ€ltst:

Die irische Quellensteuer ist gemÀss dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und Irland (von 25%) auf 15% gesenkt

Nur um sicherzugehen, dass die PWC-Website mit all diesen Angaben auf dem neuesten Stand ist, kannst du schnell auf der Website der Eidgenössischen Steuerverwaltung (alias ESTV) nachsehen, ob der angegebene irische Quellensteuersatz korrekt ist, indem du diesem Link folgst.

Quellensteuer fĂŒr auslĂ€ndisches Einkommen (in unserem Fall aus Irland) fĂŒr Schweizer StaatsbĂŒrger

Wie du beim Öffnen des PDF siehst, haben Irland und die Schweiz eine Vereinbarung getroffen, um die Quellensteuer auf Dividenden auf 15% zu begrenzen — mit einer netten Besonderheit:

In Punkt 1 sehen wir, dass der irische Quellensteuersatz 15% betrĂ€gt. Die Besonderheit II.1 zeigt uns jedoch ganz mitfĂŒhlend, dass wir, liebe Schweizer MitbĂŒrger, von der Steuer auf Dividenden befreit sind, die von einem irischen Unternehmen gezahlt werden. Oh Freude!!!

Wir sprechen hier also von der L2TW-Quellensteuer (erhoben auf das Geld, das der Fonds an dich, den Schweizer Anleger, gezahlt hat), die 0% entspricht.

Wir dĂŒrfen aber nicht die Quellensteuer L1TW vergessen, die erhoben wird, wenn die im ETF enthaltenen Aktien Dividenden an den ETF zahlen. Denn fĂŒr dich als Privatinvestor gelten Steuerabkommen, um festzulegen, welche Quellensteuer von welchem ​​Staat erhoben wird.

Angesichts der Tatsache, dass dieser VWRL ETF zu mehr als 50% aus US-Aktien besteht, ist es interessant zu wissen, dass die USA nur 15% (anstelle der standardmÀssigen 30%) Quellensteuer auf Dividenden besteuern, die an einen irischen ETF gezahlt werden.
Andererseits ist diese L1TW-Quellensteuer auf unseren VWRL-ETF nicht erstattungsfÀhig.

Der VWRL ETF besteht zu mehr als 50% aus US-Aktien

Nehmen wir als konkretes Beispiel die Firma Google, die Teil des ETF VWRL ist. Tja, wenn sie ihre Dividenden zahlen, erheben die Vereinigten Staaten eine Quellensteuer von 15%, bevor diese Dividenden ĂŒberhaupt beim VWRL ETF ankommen. Und du hast keine Möglichkeit, diese L1TW-Quellensteuer zurĂŒckzubekommen.

Zusammenfassung der irischen ETF-Quellensteuer fĂŒr L1TW und L2TW:

  • L1TW: hĂ€ngt von der Quelle der Dividende ab — z. B. 15% fĂŒr US-Aktien, die eine Dividende an den irischen VWRL ETF zahlen
  • L2TW: 0% (dank des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen der Schweiz und Irland)

Szenario 4: Schweizer/in kauft den in den USA ansÀssigen VT ETF (Vanguard Total World Stock ETF)

Das ist der ETF, in den ich den grössten Teil unserer Ersparnisse investiere. Es ist ein "globaler" ETF, der mir erlaubt, mit einem Klick in 8'751 Unternehmen auf der ganzen Welt zu investieren.

Listen wir unsere Variablen noch einmal auf, um zu sehen, was uns in Sachen Quellensteuer erwartet:

  • Mein Steuerdomizil ist immer noch die Schweiz
  • Das Domizil dieses ETF VT sind die USA

Wenn man auf den PCW-Seiten (Liste der QuellensteuersĂ€tze nach LĂ€ndern und Liste der Quellensteuern nach LĂ€ndern fĂŒr die Schweiz) und auf der Website der ESTV nachsieht, findet man folgendes heraus:

StandardmĂ€ssig betrĂ€gt der US-Quellensteuersatz fĂŒr Dividenden 30%

Dank des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen der Schweiz und den USA ist der US-Quellensteuersatz fĂŒr Dividenden auf 15% gesenkt

Die ESTV-Website bestĂ€tigt, dass die Quellensteuer fĂŒr einen Schweizer Einwohner 15% betrĂ€gt

Die dreifache ÜberprĂŒfung bestĂ€tigt uns, dass der L2TW-Quellensteuersatz fĂŒr L2TW fĂŒr Schweizer BĂŒrger mit US-amerikanischem ETF 15% betrĂ€gt.

Ob du von diesem gĂŒnstigen Quellensteuersatz von 15% profitieren kannst, hĂ€ngt allerdings vom Status deines Online-Brokers ab.

Genauer gesagt von seinem Status als "Qualified Intermediary", der von den amerikanischen Steuerbehörden definiert wird. GrundsĂ€tzlich berechtigt dieser Status einen Online-Broker dazu, die US-Quellensteuer auf die eine oder andere Weise zu verwalten. Dies passiert durch AusfĂŒllen des x-ten berĂŒhmten Formular namens "W8-BEN", womit die US-Quellensteuer von 30% auf 15% gesenkt wird. Um herauszufinden, ob dein Online-Broker berechtigt ist, frag ihn einfach!

Hinweis MP: In Punkt 4 spricht das Freihandelsabkommen ĂŒber 'RIC', was ich mit dem qualifizierten Vermittler gleichsetze, aber ich bin nicht sicher, ob es dasselbe ist (noch zu bestĂ€tigen — falls du mehr weisst, lass es mich bitte wissen!)

Es gibt drei Optionen:

  1. Schweizer oder auslĂ€ndischer Broker ohne diesen Status "Qualifizierter Vermittler": Die USA berechnen dir daher 30% L2TW Quellensteuer. Du musst das DA-1-Formular verwenden, um dir in der Schweiz 15% zurĂŒckzuholen. Und dann musst du ein Formular mit dem Namen "Formular R-US 164 — Antrag auf RĂŒckerstattung der zusĂ€tzlichen US-Quellensteuer" ("Formulaire R-US 164 — Demande de remboursement de la retenue supplĂ©mentaire d'impĂŽt USA" auf Französisch) ausfĂŒllen. So kannst du die zusĂ€tzlichen 15% zurĂŒckerhalten (abhĂ€ngig von deinem Broker kann er diese Anfrage automatisch fĂŒr dich stellen). Diese beiden Formulare DA-1 und R-US 164 werden automatisch generiert, wenn du den entsprechenden Abschnitt in deiner Schweizer SteuererklĂ€rung ausfĂŒllst (zumindest mit VaudTax im Kanton Waadt)
  2. AuslĂ€ndischer Broker mit diesem Status "Qualifizierter Vermittler" (das ist beispielsweise der Fall bei Interactive Brokers und Degiro: Dein Broker nutzt und fĂŒllt daher (normalerweise beim Eröffnen deines Kontos) das W8-BEN-Formular aus, sodass du nur mit 15% besteuert wirst. Die USA berechnen dir daher nur 15% L2TW-Quellensteuer, die du ganz einfach mit dem DA-1-Formular in deiner Schweizer SteuererklĂ€rung geltend machen kannst
  3. Schweizer Broker mit diesem Status "Qualifizierter Vermittler (wie bei Swissquote): Die USA ziehen 15% der L2TW-Quellensteuer ab, dein Broker zieht 15% ab und du musst diese 30% vollstĂ€ndig ĂŒber das DA-1-Formular in der Schweiz geltend machen

Zusammenfassend gesagt, ist es dieses W8-BEN-Formular, mit dem du die Quellensteuer auf Dividenden von US-Wertpapieren auf 15% senken kannst. Und das hÀngt von deinem Broker ab.


Dann kommt die L1TW-Quellensteuer. Du weisst schon, die auf Dividenden, die von Unternehmen an deinen ETF gezahlt werden.

Die gute Nachricht ist, dass Dividenden, die von einem US-Unternehmen an einen US-ETF gezahlt werden, nicht der Quellensteuer unterliegen. Und da zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels 57,4% des VT ETF aus US-Unternehmen bestehen, bedeutet das, dass du nicht die L1TW-Quellensteuer auf mehr als die HÀlfte der Dividenden verlierst, die dein in den USA ansÀssiger VT ETF erhalten hat :)

Beinahe 60% des VT ETF bestehen aus US-Aktien

Zusammenfassung der US-ETF-Quellensteuer fĂŒr L1TW und L2TW:

  • L1TW: hĂ€ngt von der Quelle der Dividende ab — z. B. 0% fĂŒr US-Aktien, die eine Dividende an den US ETF VT zahlen
  • L2TW: 15% (dank des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen der Schweiz und den USA), abhĂ€ngig vom Status deines Online-Brokers ĂŒber die verschiedenen Formulare W8-BEN, DA-1 und R-US 164 erstattungsfĂ€hig

Unten findest du einen konkreten Screenshot der Dividenden, die mir im Dezember 2020 fĂŒr meine VT- und VWRL-ETF gezahlt wurden. Wie du siehst, wurde meine VT-Dividende von den US-Steuerbehörden mit einer L2TW-Quellensteuer von 15% belastet, und mein VWRL-ETF wurde von Irland nicht mit L2TW-Quellensteuer belegt:

Dividenden des VT- und VWRL-ETFs im MP-Portfolio

15% US-Quellensteuer auf Dividenden von meinem VT-ETF

Und wie du untenstehend siehst, habe ich in meiner Schweizer Steuersoftware VaudTax erklĂ€rt, dass ich US-Dividenden erhalten habe, dass sie mit 15% besteuert wurden und dass ich sie ĂŒber das berĂŒhmte DA-Sesam-öffne-dich zurĂŒckhaben will (und mir holen wĂŒrde!)

Ich habe jede ĂŒber meinen VT ETF erhaltene Dividende eingetragen und die von den US-Steuerbehörden einbehaltenen 15% meiner Dividende geltend gemacht — N.B.: Dieses Formular wird automatisch von VaudTax generiert :)

Im nÀchsten Screenshot siehst du dann, dass die Schweizer Steuerbehörden mir tatsÀchlich eine Steuergutschrift (d. h., sie ziehen den Betrag der Quellensteuer von meinem Gesamtbetrag der zu zahlenden Schweizer Steuern ab) in meiner Schweizer SteuererklÀrung gewÀhren:

Mit dem DA-1-Formular kann ich mir meine 15% US-Quellensteuer ĂŒber meine Schweizer SteuererklĂ€rung zurĂŒckholen

Die aufmerksamsten unter euch werden bemerken, dass ich nicht das R-US 164-Formular verwende, um meine Quellensteuer zurĂŒckzufordern. In der Tat ist mein Broker-Unternehmen Interactive Brokers ein "Qualified Intermediary", sodass ich nur das DA-1 Formular ausfĂŒllen muss.

Szenario 5: Schweizer/in kauft den in den USA ansÀssigen ACWI ETF (iShares MSCI All-Countries World Index ETF)

Falls du iShares/Blackrock (vs. Vanguard) bevorzugst, ist der "globaler" ETF deiner Wahl vielleicht ACWI.

Eine kurze ÜberprĂŒfung des Sitzes dieses ETF bei Google bringt mich diesmal nach Bloomberg. Und dieser ETF kommt aus den USA.

Der ACWI-ETF von iShares/Blackrock sitzt in den USA

In Bezug auf die Quellensteuern ist es also dasselbe Prozedere wie oben fĂŒr den VT-ETF beschrieben.

Szenario 6: Schweizer/in kauft ETF mit Domizil in Luxemburg

*Hinweis: Ich hatte selbst noch nie einen solchen ETF in meinem Anlageportfolio.

In der Welt des ETF-Investments in Europa redet man viel ĂŒber ETF mit Domizil in Irland und Luxemburg. In der Tat haben beide LĂ€nder interessante Doppelbesteuerungsabkommen mit der Schweiz.

Wie ĂŒblich ĂŒberprĂŒfen wir zuerst unsere berĂŒhmte L2TW-Quellensteuer (d. h., wenn der ETF dir Dividenden zahlt) auf der ESTV-Website:

Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und Luxemburg

Wenn du es auf der PWC-Website ĂŒberprĂŒfst, wirst du feststellen, dass du als Schweizer nicht wirklich von einer Sonderbehandlung profitierst, da diese Quellensteuer von 15% die Standardsteuer ist.

Dieses Abkommen zwischen der Schweiz und Luxemburg wird nur dann interessant, wenn du als Schweizer Unternehmen luxemburgische Dividenden erhĂ€ltst, und auch dann gibt es Bedingungen fĂŒr die %, die du besitzen musst.

Dann kommt das Thema der L1TW-Quellensteuer. Da du als Mustachian-Investor normalerweise in einen globalen ETF investierst, der grösstenteils aus US-Aktien besteht, ist es interessant zu sehen, wie viel die US-Steuerbehörden US-Unternehmen in Rechnung stellen, die eine Dividende an einen luxemburgischen ETF zahlen.

Noch einmal möchte ich mich an dieser Stelle bei MP-Leser @San_Francisco fĂŒr seine Recherche und das Teilen von Informationen im Forum bedanken. Seinen Quellen zufolge gibt es ein Abkommen zwischen den USA und Luxemburg, durch welches die L1TW-Quellensteuer von 30% auf 15% gesenkt wird. Dieses Abkommen gilt jedoch spezifisch nicht fĂŒr luxemburgische Fonds (d. h. ETF).

Sofern nicht von einer anderen Quelle anders angegeben, betrĂ€gt die L1TW-Quellensteuer fĂŒr US-Aktien eines luxemburgischen ETF deshalb weiterhin 30%.

Zusammenfassung der Luxemburger-ETF-Quellensteuer fĂŒr L1TW und L2TW:

  • L1TW: hĂ€ngt von der Quelle der Dividende ab — z. B. 30% fĂŒr US-Aktien, die eine Dividende an den Luxemburger ETF zahlen
  • L2TW: 15%, erstattungsfĂ€hig ĂŒber das DA-1-Formular bei deiner Schweizer SteuererklĂ€rung

Ich werde andere Szenarien hinzufĂŒgen, wĂ€hrend ich weiterexperimentiere, und mich dabei insbesondere danach richten, was du, liebe/r Leser/in, gerne als Information von mir hĂ€ttest.

Quellensteuer bei ETF und Aktien als Schweizer Investor

Hier eine kleine Tabelle fĂŒr dich, die alles zusammenfasst, was wir uns gerade in diesem Kapitel angesehen haben. Die Grundannahme (wie beim gesamten Leitfaden) ist, dass dein Steuerdomizil die Schweiz ist.

Aktien- oder ETF-Domizil Quellensteuer L1TW Quellensteuer L2TW
Schweizer Aktie n/a 35%, erstattet durch Steuergutschrift auf deine Schweizer SteuererklÀrung
Schweizer ETF 35% (zu bestÀtigen als vielleicht 0%), erstattet auf Anfrage des Fonds selbst 35%, erstattet durch Steuergutschrift auf deine Schweizer SteuererklÀrung
Irischer ETF 15% fĂŒr US-Aktien, die den grössten Teil eines globalen ETF ausmachen 0% (dank Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Irland und Schweiz)
US-amerikanischer ETF 0% fĂŒr US-Aktien, die den grössten Teil eines globalen ETF ausmachen 15%, erstattet durch Steuergutschrift ĂŒber die verschiedenen Formulare W8-BEN, DA-1 und R-US 1641 bei deiner Schweizer SteuererklĂ€rung (dank Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den USA und Schweiz)
Luxemburger ETF 30% fĂŒr US-Aktien, die den grössten Teil eines globalen ETF ausmachen 15%, erstattet durch Steuergutschrift ĂŒber das DA-1-Formular bei deiner Schweizer SteuererklĂ€rung

In Anbetracht der BetrĂ€ge, die viel höher sind als eine einfache Stempelsteuer (wir sprechen hier von zig % fĂŒr diese Quellensteuern), bleibt dieser letzte Abschnitt sehr wichtig fĂŒr dich, wenn du von den ErtrĂ€gen deiner Investitionen ab 40 Jahren in der Schweiz leben möchtest. Aber wenn du meinen Prozess genau befolgst, wirst du in der Lage sein, das ganze Geld, das dir zusteht, zurĂŒckzubekommen.

NĂ€chster Schritt: FAQ zu Schweizer Steuern als Investor

Wie du sehen kannst, ist das Komplizierteste beim Thema Quellensteuern auf deine Aktien- oder ETF-Dividenden oft, die Informationen zu finden. Aber das Thema an sich ist gar nicht so komplex.

Das letzte Kapitel, das wir in diesem Steuerleitfaden fĂŒr Schweizer Anleger abdecken werden, ist eine FAQ. In der Tat stellen mir Leser/innen oft Ă€hnliche Fragen, und ich habe beschlossen, sie zusammenzufassen und im Laufe der Zeit eine FAQ aufzubauen (auch mit meinen eigenen Fragen).


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