Der Epic Guide 2020 für Schweizer Investoren-Einsteiger | Kapitel 1 — Fang mit dem "Warum" an

Es ist 18 Monate her, seit Olivia nach ihrem Albtraumtreffen mit Herrn Henri der Börse den Rücken kehrte. Seitdem liegt ihr Fokus auf ihrer Karriere. Das brachte ihr eine Beförderung in eine Führungsposition in einem neuen Unternehmen ein, was zu einer schönen Gehaltserhöhung führte. Diese Änderung hat sie veranlasst, nach einer Möglichkeit zu suchen, um ihr Geld wenigstens minimal wachsen zu sehen. Sie eröffnete ein gesperrtes SBU-Sparkonto mit 0.2%, nachdem sie auf dem Vergleichs-Tool MoneyLand.ch nach der besten Option gesucht hatte. Sie entschied dann, dass es besser sei, sich Zeit zu nehmen, um ein kleines Vermögen anzusammeln, als sich beim Versuch, über Nacht reich zu werden, die Flügel zu verbrennen. Von diesem System erhofft sie sich, in ihrem 50. Lebensjahr bei der Arbeit zu einer 80%-Stelle wechseln zu können.

Es ist Dienstagmorgen und Olivia trinkt ihren Tee im Restaurantwagen ihres Intercitys nach Genf (wo sie jetzt arbeitet). Sie erhält eine SMS von ihrem ehemaligen Manager John, den sie kürzlich um Rat gefragt hatte, ehe sie ihren neuen Job antrat:

"Hast du das neue MedTech-Einhorn von EPFL gesehen? Das sind dieselben Gründer wie das Startup, in das wir damals investiert hatten !!! Ich habe vor 9 Monaten nochmal darein investiert. Ich sagte dir , dass ihre Idee Potenzial hat! Lies die 'Le Temps', ich habe gehört, dass sie kurz davor stehen, an die Börse zu gehen!!!!

Olivia sieht den Artikel auf ihrem iPhone, überfliegt ihn und wird ganz blass... Das MedTech-Startup ging von demselben Konzept aus, richtete sich aber eher an den — viel lukrativeren — Unternehmensmarkt als an Einzelpersonen. Sie haben gerade bekannt gegeben, dass sie den Wert von 1 Milliarde CHF überschritten haben. Der Börsengang (d. h. die Notierung an der öffentlichen Börse) ist für in ein paar Wochen geplant.

Sie beginnt, sich bei dem Gedanken an die Verdienstmöglichkeit, die sie gerade verpasst hat, schlecht zu fühlen. Damit hätte sie bei der Arbeit zu einer 50%-Stelle wechseln können. Als sie am Bahnhof Cornavin ankommt, täuscht sie eine Migräne vor und sagt ihr Workshop um 10:00 Uhr ab. Und läuft los zum Starbucks am Quai des Bergues — dem mit Blick auf den Jet d'Eau-Brunnen. Unterwegs dahin bläst sie Trübsal, weil sie mit John in Kontakt hätte bleiben sollte.

Sie verbringt den Morgen damit, jeden Artikel zu lesen, den sie über dieses Einhorn finden kann. Sie durchsucht die Agefi und die NZZ nach Informationen darüber, wie sie nach einer Insolvenz neue Mittel beschaffen konnten, und über ihr exponentielles Wachstum in unter zwei Jahren. Nach mehreren Stunden kommt sie zu dem Schluss, dass es immer noch viel zu riskant ist, auf ein einzelnes Pferd zu setzen. Besonders, weil zum Zeitpunkt des Börsengangs nicht gesagt ist, dass die Öffentlichkeit den Investoren zustimmen wird. Sie hat schon die ähnliche Geschichte eines amerikanischen Startups gehört, dessen Aktienkurs just nach dem Börsengang gefallen war.

Sie ist erleichtert, weil sie denkt, dass ihr konservatives Sparkonto und ihre Goldanlagestrategie sicherer und weniger stressig sind, um ihr Ziel der Arbeitszeitverkürzung zu erreichen. Die Erleichterung ist aber nur von kurzer Dauer, da ein weiterer Zweifel sie beschäftigt: "Trotzdem, wenn ich eine Rendite von auch nur 4% erzielen könnte, könnte ich viel früher Teilzeitarbeit in Betracht ziehen!"

Sie sagt sich, dass sie ihre Strategie neu bewerten muss.

Noch etwas Einhorn?

Ob sie jetzt ihren Cousin, der in Immobilien investiert, um Rat fragen sollte, da sie gesehen hat, dass die Börse nichts für sie war? Oder könnten Peer-to-Peer-Kredite (alias P2P) Teil ihres neuen Portfolios sein, wenn auch nur bis zu 10%, um es zu stärken?

Eine Million Ideen jagen ihr durch den Kopf. Wo soll sie anfangen?

Sie beschliesst, William zu kontaktieren, um seinen Rat zu erhalten. Olivia kennt ihn seit ihrem ersten Job. Wie sie hatte er um diese Zeit mit dem Investieren angefangen. Als sie und John (und ihre anderen Kollegen) während der Mittagspause intensive Diskussionen über die Börse führten, redete William nicht viel. Jedes Mal, wenn er nach seiner Anlagestrategie gefragt wurde, klang seine Antwort "Ich investiere in den Index und habe eine Mietwohnung gekauft" nur allzu langweilig inmitten der hitzigen Diskussionen darüber, welches Startup es schaffen würde.

Oliva war letztes Jahr während ihrer EMBA-Klasse mit William zusammengetroffen. Sie hatte erfahren, dass er immer noch genauso investierte wie damals, als sie Kollegen waren. Er wirkte ruhig und nachdenklich, als er darüber sprach. Und seinen Erzählungen zufolge schien es gut zu laufen. Er bewegte sich an der Börse um eine annualisierte Rendite von 7% herum und hatte seine Mietwohnung mit einer annualisierten Rendite von 12% verkauft.

Sie schickt ihm eine WhatsApp, erklärt kurz ihre Situation und fragt ihn, ob er in den nächsten Tagen Zeit hätte, eine Kleinigkeit essen zu gehen. Am selben Nachmittag antwortet er:

"Gerne. Ich habe morgen eine Sitzung in Lausanne. Wenn das bei dir geht, treffen wir uns im Restaurant in der Nähe von Ouchy, wo wir mit dem EMBA-Team hingehen."

Olivia entdeckt IPS

Olivia kommt früh im Restaurant an und fragt nach einem Tisch in einer ruhigen Ecke, damit sie sich unterhalten können. Als sie es sich bequem macht, sieht sie, dass William eine SMS geschickt hat:

"Ich bin gegen 12:15 da, meine Sitzung dauert ewig... Tut mir leid!"

Sie nutzt diese zusätzliche Zeit und ordnet an der Ecke des Tisches sitzend, ihre Gedanken:

  1. Definieren, in was und wie oft in Immobilien, P2P oder Aktien investiert werden soll
  2. Nötige Schritte für Investition in Immobilien ausführen
  3. Die nötigen Konten für den Rest eröffnen
  4. Meine Strategie buchstabengetreu befolgen

Und da kommt William an.

"Tut mir leid, dass ich zu spät bin, Olivia. Ich bin an einer grossen Sache mit einem Lieferanten in China dran und wir finalisieren die letzten Details vorm Unterzeichnen. Ich hätte unser Mittagessen beinahe verschoben, aber du schienst gestresst zu sein, also erzähl mir davon."

Olivia fasst ihre Situation zusammen, von ihrem Börsendebüt mit Johns berühmtem MedTech über ihren SC-"Berater" und die Gebühren für seinen Porsche bis zu ihrem gesperrten SBU-Sparkonto mit 0,2% Rendite.

Sie kommt zu Johns kürzlicher Nachricht und ihrer eigenen "Selbstbeherrschung", sich nicht von ihren alten Dämonen der schnellen Gewinne täuschen zu lassen. Dann zeigt sie ihm den Plan, den sie sich zurechtgelegt hat.

William hört geduldig zu und stellt ihr eine simple Frage:

"Warum willst du überhaupt investieren?"

Sie erklärt ihm, dass sie eines Tages Teilzeit arbeiten möchte und dass das mit ihren einfachen Ersparnissen einige Zeit dauern wird:

"... also mit deinem Plan wirst du immer noch Monate brauchen, um deine erste Immobilie zu bekommen. Ganz zu schweigen von all dem Papierkram, den du im ersten Jahr erledigen musst. Das wird dich viele Abende kosten."

"Wirklich? Bitte nicht, es soll doch schneller gehen, und ich möchte dem nicht mein ganzes Leben widmen, wenn es erstmal gekauft ist!", ruft Olivia aus.

"OK, lassen wir das fürs erste beiseite. Du hast auch von P2P-Investitionen geredet. Klingt interessant, ich habe schnell nachgesehen, und tatsächlich könnten da jetzt 8-14% für dich drin sein, je nach deiner Strategie."

Blick auf den Weg am Seeufer und den Hafen von Ouchy in Lausanne

William fügt hinzu: "Andererseits ist das noch ein frischer Markt, und Anfang 2020 gab es zwei Plattformen, die über Nacht schlossen. Websites waren nicht mehr zugänglich. Nichts. Die Leute verloren alles, es war Betrug. Es gibt einige Plattformen, die seriös zu sein scheinen, aber nach denen musst du suchen und bereit sein, etwas Geld zu verlieren, weil es schlussendlich ziemlich riskant ist. Es ist nicht wie ein Unternehmen, das Geld generiert. Du vergibst Kredite an Einzelpersonen, die wegen ihrer finanziellen Situation im Allgemeinen keinen Zugang zu Bankkrediten haben. Zudem musst du dir auch die vermittelnden Kreditunternehmen ansehen."

Olivia ist nicht ganz überzeugt, weil sie andere positivere Dinge über P2P gelesen hat, nickt aber trotzdem zustimmend.

"OK... aber ich muss trotzdem auf die Schnelle etwas finden. Weil die Zeit mein Verbündeter ist, mit der berühmten Zinseszins-Magie."

"In dem Punkt stimme ich dir voll und ganz zu. Du musst dich ranhalten, wenn du willst, dass dein Geld ständig arbeitet, während du deinen Angelegenheiten nachgehst."

"Aber um das zu tun, ob es nun um Immobilien, P2P oder sogar Aktien geht, muss ich die richtigen Dinge finden, um zu kaufen und..."

William unterbricht sie: "Du musst ein IPS für dich selbst erstellen."

"Ein IPS?"

"Ein Investor Policy Statement, eine Kapitalanleger-Absichtserklärung"

"So etwas wie eine Strategie, um zu sagen, in was und wie oft investiert werden soll?"

"Wenn du so willst... aber nicht wirklich... ein Investment Policy Statement ist eine Erklärung, die zunächst deine Lebensziele definiert. Dann legst du die Strategien fest, mit denen du diese Ziele erreichst. Sie enthält Informationen wie eine Liste deiner derzeitigen Vermögenswerte, die ideale Allokation dieser Vermögenswerte und deines künftigen Portfolios, deine Risikotoleranz und deine Bedürfnisse in Bezug auf die Liquidität deiner Investitionen."

In dem Moment vibriert Williams Smartphone auf dem Tisch.

"Tut mir leid, anscheinend gibt es eine neue Blockade bei meinem China-Vertrag. Ich muss wirklich los, keine Zeit für Kaffee. Mein bester Rat genau jetzt ist, dass du alles über diese IPS-Sache liest, was du findest. Sieh dir Website von Boglehead an, es ist auf Englisch und der Begriff ist "IPS" für Investor Policy Statement. Sobald du das Prinzip verstanden hast, erstelle dein eigenes."

Olivia wirft ein: "Aber ist es nicht ein bisschen zu viel, das nur für Investitionszwecke zu tun?"

"Aber nein, im Gegenteil. Du musst diese erste Phase der Selbstprüfung wirklich durchlaufen, weil dein schlimmster Feind bei Investitionen du selbst bist. Ich habe auch ein IPS und zum Glück hatte ich es während der letzten Krise; sonst hätte eine Menge Geld verloren, weil ich dachte, ich sei schlauer als der Durchschnitt. Es ist wie eine Prozedur bei der Arbeit. Sobald sie festgelegt ist, befolgst du sie genau. Erinnere mich daran, wenn du dein eigenes erstellt hast, dann gebe ich dir meinen Rat geben, wenn du magst."

Olivia dankt William für seine Zeit, während er hastig bezahlt und aus dem Restaurant eilt.

Investor Policy Statement
Vermögenswerte Alles, was du besitzt
Schulden Alles, was du zurückzahlen musst
Warum will ich investieren? Die wichtigste Frage
Risikoprofil Die zweitwichtigste Frage
Allokation der Vermögenswerte Wie viel Prozent von was
Alternativen Das Geld, das du in riskante Dinge investieren willst und bei dem es dir egal ist, ob du es komplett verlierst...
Überwachung & Kontrolle Wie oft und wie überprüfst du dein Portfolio?
Investmentphilosophie Die Gebote, die für all deine Investitionen gelten

Beispiel für ein "Investment Policy Statement"

Zwei Wochen später...

Es ist zwei Wochen her, dass Olivia mit William zu Mittag gegessen hat. Sie wird ihn wieder treffen, zum Kaffee, bevor sie zur Arbeit geht, um ihm zu zeigen, wie weit sie ist.

"Ich habe deinen Rat befolgt. Ich habe alles, was ich konnte, über IPS und auch über den Begriff IPS gelesen, wie du empfohlen hattest. Es ist cool, weil ich wirklich über den Sinn meines Lebens nachdenken konnte."

Und sie nimmt ihren Entwurf heraus:

Investor Policy Statement Olivia (erster Entwurf)
Warum will ich investieren? Um an meinem 45. zu 70% zu wechseln (für meine persönlichen Projekte und um Zeit für mich zu haben)
Risikoprofil Fähig sein, Volatilität zu widerstehen, da ich langfristig drin bin
Allokation der Vermögenswerte 50% Immobilien, 30% Blue-Chip-Aktien und 20% P2P-Darlehen

Sie führt ihre Wahl für die Allokation der Vermögenswerte näher aus: "Ich habe ein wenig über die Börse gelesen und bevorzuge Immobilien, weil mir die Idee gefällt, dass jeden Monat Mieten reinkommen. Und genauso denke ich immer noch an Tests mit 15-25% in P2P-Darlehen zusätzlich zu Anteilen an bekannten Unternehmen (alias Blue Chips). Für den Moment denke ich also an 50% Immobilien, 30% Blue Chip-Aktien und 20% P2P-Darlehen. Aber ich möchte weiter über diese Themen lesen, um meine ideale Vermögenswerte-Allokation zu verfeinern. Sobald das erledigt ist, kann ich loslegen. Ich muss mir auch überlegen, einen Teil meiner 3a investieren, aber das mache ich später."

"Das ist ein guter Anfang.", antwortet William, der bei sich denkt, dass sie einige Punkte ausgelassen hat. Er wird es später ansprechen.

Aber wo hast du die Idee für die Portfolio-Allokation her?", fährt William fort.

"Ich habe selbst darüber nachgedacht, was in der Vergangenheit schief gelaufen ist und was ich vermeiden sollte, wie die derzeitigen aufstrebenden Startups. Dann habe ich mit meinem Cousin gesprochen, der sich mit Immobilien und anderen Arten von Investitionen auskennt. Und er war nicht schockiert von meiner Allokation."

"OK. Aber nur um sicherzugehen – hast du einen guten Überblick über die verschiedenen Arten von Kapitalanlagen? Zumindest den bekanntesten konventionellen und alternativen Anlagen mit ihren Rollen, Renditen und den mit ihnen verbundenen Risiken?"

Olivia scheint ein wenig überrascht. "Konventionell und alternativ? Nein. Naja, in Bezug auf ihre Rollen scheint es mir logisch, dass das Ziel letztendlich das Generieren von Geld ist. Und ich weiss, dass die Börse riskant ist und Immobilien ein sicherer Wert bleiben, da sie aus Stein sind."

"Ich hatte die gleiche Vision, als ich meine Reise als Anleger begann. Und mir wurde klar, dass es wichtig ist, diesen Überblick zu haben, um eine gute Strategie in voller Kenntnis der Fakten zu etablieren. Sehr grob und umgangssprachliche gesagt, gibt es zwei Arten von Anlagen: Herkömmliche Anlagen sind Bargeld, Aktien und Anleihen. Die letzten zwei sind Dinge, die du an der Börse kaufen kannst. Und dann gibt es da noch die anderen sogenannten alternativen Anlagen wie Immobilien, Gold, P2P-Kredite, Kauf von Anteilen an einem Startup oder einem privaten nicht an der Börse notierten Unternehmen, Kryptowährungen – obwohl letztere eher wie Spielen im Casino ist, aber egal."

Er fährt fort: "Alternative Anlagen nennt man "alternativ", weil sie oft weniger liquide sind (d. h. du kannst sie nicht so einfach verkaufen wie mit einem Klick an der Börse), und historisch waren sie nur für institutionelle Anleger verfügbar (wie professionelle Vermögensverwalter oder Versicherungsunternehmen), obwohl sie mittlerweile mehr Mainstream geworden sind."

William holt sein Moleskine heraus und skizziert die folgende Tabelle für sie:

Anlagetyp Durchschnittl. erwartete Rendite Risiken
Konventionell
- Aktien 5-8% mittel bis hoch
- Anleihen -1% à +5% gering bis mittel
Alternativ
- Immobilien 4-35% mittel bis hoch
- Gold und andere Edelmetalle k. A. mittel bis hoch
- P2P-Darlehen 5-14% hoch
- Kryptowährungen k. A. hoch

"Ach, da siehst du es, ich liege richtig mit meinen Immobilien! Teilzeit, ich komme!", ruft Olivia aus.

"Ja, das ist der richtige Gedankengang. Aber wie sieht es aus, wenn ich eine Spalte mit den nötigen Anstrengungen dazunehme, die es braucht..."

Anlagetyp Durchschnittl. erwartete Rendite Mühe
Konventionell
- Aktien (manuelle Auswahl) 2-7% +++
- Aktien (über Fonds) 5-8% +
- Anleihen (manuelle Auswahl) -1% à +5% +++
- Anleihen (über Fonds) -1% à +5% +
Alternativ
- Immobilien (in deinem eigenen Namen) 4-30% +++
- Immobilien (über Crowdfunding) 4-6% +
- Immobilien (über Fonds) 5-8% +
- Gold und andere Edelmetalle k. A. +++
- P2P-Darlehen 5-14% +++
- Kryptowährungen k. A. +++

"Ein einzelnes '+'-Zeichen bedeutet '15 Minuten/Viertelstunde'. Und '+++' bedeutet mehrere Stunden pro Woche.", erklärt William.

In einem Wimpernschlag verschwindet die Freude aus Olivias Augen. "Ah. Das bringt mich also zurück zu dem Punkt, wo ich mit deiner zweiten Tabelle angefangen habe. Ich will wirklich keine Stunden pro Woche darauf verwenden. Ich dachte, das Schlimmste, was ich tun könnte, ist in Crowdfunding-Immobilien einzusteigen, aber das scheint einfach nicht so interessant zu sein. Denn wenn ich es richtig verstehe, muss ich Immobilien entweder über einen Fonds oder Anleihen oder Aktien erwerben. Wie wähle ich?"

"Wenn du tatsächlich jede Option analysierst, um zu verstehen, wozu sie in einem Portfolio dient, werden viele Dinge klar.", antwortet William.

Er fährt fort: "Um es kurz zu machen, weil ich in fünf Minuten zur Arbeit muss: Aktien nutzt du, um dein Vermögen zu erhöhen und dich vor Inflation zu schützen. Die Idee ist, wenn du eine Inflation von 2-3% hast, möchtest du lieber in Aktien mit einer Rendite von 5-8% investiert haben, damit dein Geld sich vermehrt, als zu sehen, wie dein Geld bei der Bank auf einem Sparkonto mit seiner lächerlichen Zinsrate an Kaufkraft verliert... "

William sieht Olivia nach seinem letzten Satz rot werden, beschliesst aber, es zu ignorieren und fährt fort:

"Bei Anleihen handelt es sich um eine 'festverzinsliche' Investition, weil es nichts anderes als ein Kredit ist, den du an Länder oder grosse Unternehmen vergibst. Und die zahlen regelmässig mit Zinsen zurück. Ausserdem, während Aktien dein Geld vor Inflation schützen, schützen Anleihen dich vor Deflation, weil du immer den gleichen Betrag mit Zinsen zurückbezahlt bekommst, auch wenn der Preis für alles, was du kaufst, sinkt."

"Nur um sicher zu gehen, wir sind uns einig, dass Inflation ist, wenn deine CHF dich heute weniger als gestern kaufen lassen, weil die Preise gestiegen sind. Und Deflation ist, wenn meine Kaufkraft steigt, weil die Preise fallen wie während der letzten Rezession. Ist das richtig?"

"Und Immobilien auf der anderen Seite helfen dir, die Inflation zu bekämpfen, und vor allem diversifizieren sie dich von der Börse weg. Danach musst du es mit Vorsicht geniessen, denn wenn du Aktienfonds kaufst, besitzt du auch Immobilien durch die Unternehmen, in die du investierst, bis zu 3-5%. Und einigen Studien zufolge wird das Risiko eines Engagements im Immobiliensektor nicht genug durch Mittel belohnt, um sich zu rentieren."*

Und dann würde ich immer noch kein bisschen Gold nehmen?, fragt Olivia.

Vergiss es! Wie der durchschnittliche Anleger vor nicht allzu langer Zeit, dachte ich, das könnte eine ebenso gute Zuflucht sein. Aber dann lernte ich durch einige seriöse Wirtschaftszeitungen, dass es zwar dein Geld schützen kann, aber wenn du denkst, du wirst 2'000 Jahre leben... Sonst ist es das nicht wert.", plänkelt William.

"Okay, sagen wir also Aktien, Anleihen und vielleicht Immobilien. Alles über Fonds, wie du geschrieben hast. Das scheint am besten für mich zu passen. Und wie ist jetzt das Verfahren, um herauszufinden, was ich brauche?", sagt Olivia ungeduldig.

"Warte, nicht so schnell, du klingst wie ich, als ich anfing!", antwortet William. "Beenden wir zuerst dein IPS, um sicherzustellen, dass du dir bei jedem Punkt sicher bist. Lass mich zusammenfassen, indem ich einige der Lücken ausfülle, und du sagst mir, ob wir auf einer Linie sind."*

William beginnt eine neue Seite in seinem Moleskine und fasst zusammen:

Investor Policy Statement Olivia (zweiter Entwurf)
Vermögenswerte - CHF 257'000 auf SBU Sparkonto bei 0.2%
- CHF 78'000 in Säule 3a
Schulden Autokredit, von dem CHF 9'300 noch abzuzahlen sind
Warum will ich investieren? an meinem 45. zu 70% wechseln (für meine persönlichen Projekte und um Zeit für mich zu haben)
Risikoprofil 8/10 (1 = schon CHF 1 zu verlieren, wäre unvorstellbar, und 10 = Ich kann Börsentiefs von -50% meines anfänglichen Portfoliowerts überleben)
Allokation der Vermögenswerte Aktien und Anleihen sowie eventuell Immobilien (% noch zu definieren)
Alternativen Vielleicht 1% Spielraum behalten, um mit z. B. P2P-Darlehen "spielen" zu können
Überwachung & Kontrolle - Überprüfe deine Allokation jedes Quartal
- Stress dich nicht zu den nächsten %, das sind Schätzungen
- Vergleiche mein Portfolio mit einem ähnlichen Index, um zu sehen, wie es sich macht (z. B. der SMI, wenn du einen Fonds auswählst, der ihn repliziert)
Investmentphilosophie Noch zu definieren

Was sagst du dazu?, fragt er Olivia.

"Und nur um es ganz klar zu sagen, ein 8/10-Risikoprofil ist, was ich während der letzten Börsenkrise erlebt habe. Kurz gesagt, ging mein Portfolio von einem Nettowert von CHF 158'500 auf CHF 103'000 runter. Und das in weniger als drei Wochen! Das sind fast -35%!"

"Oh Gott, -35%?! Nein, aber es ist okay, es scheint gut zu sein. Vor zehn Jahren wäre ich nicht zu einer solchen Selbstkontrolle fähig gewesen, aber heute bin ich es. Wie auch immer, ich beginne, die Dinge klarer zu sehen. Aber was ist jetzt mit Investmentphilosophie?"

"Ich bin froh, dass du das fragst!", antwortet William.

Er fährt fort: "Beim Investieren gibt es ein paar Grundregeln, die ein 'intelligenter' Schweizer Investor kennen muss. Ich habe lange gebraucht, um sie zu lernen, aber wenn ich dir helfen kann, schneller voranzukommen, kann es dir auf deinem neuen Weg als Anlegerin nur dienlich sein."

"Cool, danke William. Aber was soll ich jetzt tun? Zurück zur Uni in den Philosophieunterricht?!", scherzt sie.

William bezahlt die Rechnung und erklärt ihr: "Lies ein paar der jährlichen Briefe von Warren Buffet. Beginne mit den Briefen von 1996 und 2008, wenn ich mich richtig erinnere, sind da ein paar Nuggets darin. Und gib auch 'Interview Jack Bogle' bei Google ein, das ist ein weiterer weiser Finanzmann, den man kennen muss. Melde dich bei mir, wenn du die Gelegenheit hattest, all dies zu analysieren, dann treffen wir uns zum Essen, um eine Nachbesprechung zu machen."

  1. Die Basis ist, zu wissen, warum du investieren willst
  2. Das zweitwichtigste ist die Definition deines Risikograds
  3. Weil du selbst dein schlimmster Feind beim Investieren bist
  4. Es gibt konventionelle und alternative Kapitalanlagen
  5. Jeder Typ von Investment hat seine eigene Renditen und Risiken sowie eine damit einhergehende Arbeitsbelastung
  6. Eine Investment Policy Statement (alias IPS) lässt dich deine gesamte Strategie auf einem einzigen A4-Blatt zusammenfassen

Nächster Schritt

Im nächsten Kapitel lernt Olivia die Schlüsselprinzipien eines Mustachian Schweizer-Investors kennen. Das wird ihr ermöglichen, ihr IPS zu finalisieren, um gut informiert mit dem Investieren loszulegen.


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